ERINNERUNG UND VERANTWORTUNG


Stunde(n) der Erinnerung zum GeDenken an die Novemberpogrome 1938

 

 

 

 

  Donnerstag, den 22.11.2018, für Klassenstufe 10, K1 und K2:

2. Stunde: Impulse von Schülerinnen und Schülern zu den historischen Hintergründen, regionalen Ereignissen sowie aktuellen Bezügen

3. und 4. Stunde: Autorenlesung und Gespräch mit Andrea von Treuenfeld, „Erben des Holocaust“

 

Vor 80 Jahren wurden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 im ganzen Deutschen Reich Synagogen zerstört und jüdische Friedhöfe geschändet. Auch jüdische Einrichtungen und Geschäfte wurden überfallen, Scheiben eingeschlagen, Gebäude in Brand gesetzt. Viele Menschen jüdischen Glaubens oder jüdischer Abstammung wurden inhaftiert und in Konzentrationslager gebracht. Die Feuerwehren hatten den Befehl, nur die Ausbreitung des Brandes auf die Umgebung zu verhindern, aber nicht zu löschen. Die Schuld für die Brände wurde den jüdischen Religionsangehörigen gegeben, die im Anschluss den Abriss der Ruinen und die Aufräumarbeiten organisieren und finanzieren mussten.

Die Synagoge in Konstanz vor und nach der Zerstörung 1938.


Bilanz des 9./10. November 1938:

1.400 Synagogen in Deutschland in nur einer Nacht zerstört, davon in Baden:

6 jüdische Gotteshäuser gesprengt

23 jüdische Gotteshäuser verbrannt

61 jüdische Gotteshäuser demoliert

7.500 verwüstete Geschäfte in einer Nacht

30.000 Verhaftete, die in Konzentrationslager verschleppt wurden

100 Tote

1 Milliarde Reichsmark Sondersteuer zur „Wiedergutmachung“ – von den Juden zu bezahlen

 

Die Zerstörung der Synagogen war weder der Beginn noch das Ende der Judenverfolgung. Lange vorher schon war in vielen kleinen Schritten mit der planmäßigen Entrechtung der Juden begonnen worden. Bald danach ging die Verfolgung dann in Vertreibung und schließlich Vernichtung über.

 

Für die Nazis war der Pogrom* eine Art Testfall: Die – verharmlosend „Reichskristallnacht“ genannte – Zerstörung der Synagogen ging zwar nicht von der Bevölkerung aus, aber es wurde ihr auch kein nennenswerter Protest der Bevölkerung entgegengesetzt. So konnten danach sämtliche Maßnahmen gegen die Juden in aller Öffentlichkeit fortgesetzt werden.

Auch in den Kirchen herrschte damals mehrheitlich Schweigen, Wegschauen oder gar Zustimmung. Nur wenige mutige Stimmen nannten die Verbrechen beim Namen.

 

Wir wollen die Erinnerung wach halten, das heißt wachsam sein, damit sich eine zunächst schleichende Entrechtung, die später in offene Verbrechen übergeht, nie wiederholt.

 

Herzlichen Dank an den Elternbeirat des Friedrich-Hecker-Gymnasiums für die großzügige finanzielle Unterstützung der Veranstaltung!

 

                (Für die Vorbereitungsgruppe: Susanne Kapp-Freudenberger)

 

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* Der Begriff Pogrom stammt aus dem Russischen und bedeutet „Verwüstung“, „Zerstörung“, „Krawall“, „Donner“ (grom). Er ist im Zusammenhang mit Übergriffen auf Juden im Russland der 1880er Jahre aufgekommen und steht für gewaltsame Ausschreitungen gegen ethnische, politische oder religiöse Minderheiten.