„Es geschah am helllichten Tag“ – 22. Oktober 1940

Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 haben im Evangelischen Religionsunterricht mit ihrer Lehrerin Susanne Kapp-Freudenberger eine Ausstellung in der Aula des FHG gestaltet. (… aber nur zwei wollten aufs Foto!)

 

75. Jahrestag der Deportation der Juden aus Südwestdeutschland nach Gurs am 22.10.2015

Vor genau 75 Jahren, am frühen Morgen des 22. und 23. Oktober 1940, wurden über 6.500 badische, pfälzische und saarländische Jüdinnen und Juden sowie Christen jüdischer Abstammung von Gestapoleuten und Schutzpolizisten aus dem Schlaf gerissen und aufgefordert, sich innerhalb von ein bis zwei Stunden reisefertig zu machen. Sie durften maximal 50 Kilo Gepäck, 100 Reichsmark und etwas Proviant mitnehmen. Sie wurden in Züge verfrachtet und in das Internierungslager Gurs am Fuße der südfranzösischen Pyrenäen verschleppt. Dieser Ort wurde so für tausende deutscher Staatsbürger aus unseren Städten und Gemeinden (erst der Rassenwahn reduzierte sie auf Herkunft und Religion), für Alte, Kranke, Männer, Frauen, Kinder und Babys zum Ort des Verderbens.

Was damals geschah, vollzog sich vor aller Augen, am helllichten Tag. Als die Gauleiter Badens und der Saarpfalz ihre Gaue stolz als „judenrein“ meldeten, erhob sich kein Sturm der Entrüstung und kein wahrnehmbarer Protest. „Der Abtransport ging in aller Ordnung vor sich“, so notierte nüchtern der Freiburger Polizeibericht. Auch die Kirchen standen dem Geschehen tatenlos gegenüber, wo entschlossenes Handeln gefragt gewesen wäre, sprachlos, wo der Aufschrei der Kirchen hätte hörbar werden müssen. Längst hatte sich angebahnt, was dann bei der berüchtigten Wannsee-Konferenz 1942 auf den Begriff der Endlösung gebracht wurde. Für Tausende jüdischer Menschen endete ihr Leidensweg nach Gurs schließlich in Zügen in die Vernichtungslager von Majdanek, Sobibor oder Auschwitz.

(Infos zusammengestellt und überarbeitet von Susanne Kapp-Freudenberger)